Revue Le Guillon Nr. 56 – April 2020

Le Guillon

Titelbild: Die Mauern im Lavaux, von Hans-Peter Siffert

Weltkulturerbe

450 Kilometer lange Mauern, die 10 000 Rebparzellen im Lavaux begrenzen… Die Zahlen könnten einen schwindlig machen, nicht zuletzt auch die Kosten für die Renovation der erwähnten Mauern, die sich auf Zehntausende von Franken belaufen. Und nur ein Drittel dieser Kosten wird vom Kanton übernommen. Den Rest zahlen die Winzer, die im Moment – das ist keine Neuigkeit – von anderen Sorgen geplagt werden: der Wein verkauft sich insgesamt schlecht. Und der Waadtländer Wein ist von dieser Tendenz nicht ausgenommen.

Die Lavaux-Mauern, die mit ihrem Unterhalt verbundenen Unannehmlichkeiten und ihre unbestreitbare Rolle bei der Klassierung des Lavaux als Unesco-Weltkulturerbe führen uns eine Offensichtlichkeit vor Augen: In dieser Ecke der Waadtländer Weinlandschaft, auf den Lavauxhängen, produzieren die Menschen seit vielen Jahrhunderten Wein, unermüdlich und fast gegen den gesunden Menschenverstand, so unzugänglich wirkt das Terroir. Trotzdem produzieren die Menschen auf diesem Boden grosse Weine, die heute weitherum anerkannt werden. Eine Feststellung, die selbstverständlich auch für alle anderen geschichtsträchtigen Waadtländer Terroirs zutrifft.

Wie also kann man seine Solidarität mit den Winzerinnen und den Winzern ausdrücken, die sich Tag für Tag abmühen, auf den Waadtländer Terroirs Weine von grosser Qualität zu produzieren? Es klingt trivial: ganz einfach, indem man diese Weine konsumiert. Und sich beispielsweise von ihrer formidablen Fähigkeit, harmonisch zu altern, überraschen lässt. 

Unser Kulturerbe ist hier, direkt vor unseren Augen, in Reichweite des Glases… Das sollten wir nicht vergessen.

Pascal Besnard, Verantwortlicher Redakteur

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