Revue Le Guillon Nr. 60 – Juni 2022

Le Guillon

Titelbild: Das Glück findet sich in den Rebbergen, Foto von Régis Colombo

Schluss mit den Vorurteilen…

…etwa mit denen, ein Weingut von kleiner Grösse sei immer fragiler als ein grosses. 

Überhaupt nicht! Davon zeugt das Dossier, das vierhändig von Eva Zwahlen und Alexandre Truffer realisiert wurde. Sie haben die Weinregionen des Kantons Waadt durchstreift und mit Winzerinnen und Winzern gesprochen, die Weingüter mit höchstens fünf Hektar Reben bewirtschaften. Klar, sie alle haben die Pandemie und die Schrecken des Jahrgangs 2021 durchgemacht. Aber sie haben weniger gelitten als grössere Betriebe, denn ihre Vertriebskanäle sind kürzer: keine Grossisten, weniger Abhängigkeit von der Gastronomie, Direktverkauf an treue Privatkunden, die Weine suchen, welche nachhaltig und im konstanten Respekt vor der Umwelt produziert werden.

Eine umfassende Studie erlaubt es, ein weiteres Vorurteil über Bord zu werfen: Es besagt, dass Deutschschweizer und Romands nicht dieselben Chasselasweine mögen…

Nichts da! Alle schätzen ausgewogene Chasselas, mit einer winzigen, kaum wahrnehmbaren Süsse, nicht aber sehr säurebetonte Weine oder solche mit laktischen Noten!

Im vergangenen Winter hat uns Michel Logoz verlassen. Er, den man den Papst der Etikette nannte, bekämpfte Vorurteile gegenüber dem Wein in seiner berühmten Kolumne auf Seite 80 der Revue Le Guillon stets mit spitzer, lebhafter Feder. Auf den Ehren-Chancelier Logoz folgt in der «chronique au vitriol» nun der amtierende Chancelier Edouard Chollet. Logisch. 

Pascal Besnard, Verantwortlicher Redakteur

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